/Mit Blau für die keimfreie Klinke.

Mit Blau für die keimfreie Klinke.

Lübben. Es heißt HYSYST und steht kurz für Hygienesystem. Das Klinikum Dahme-Spreewald rückt Krankenhauskeimen seit November mit neuer, noch professionellerer Reinigung auf den Leib. Dieser Tage gab es die erste unangekündigte Kontrolle.

Heike Müllers Augen werden weit. Doch sie erstarrt nur ganz kurz, als Thomas Meyer mit freundlichem Lächeln auf sie zu tritt und sich als Verantwortlicher von HYSYST vorstellt – dem Reinigungssystem, mit dem das Klinikum Dahme-Spreewald seit wenigen Monaten zusammenarbeitet. Die Mitarbeiter wurden in der Systematik geschult. Ziel ist es, die Zahl der Keime und damit mögliche Ansteckungsgefahren deutlich zu reduzieren.

Heike Müller reinigt die Tür zum Badezimmer in einem Patientenraum auf der Kinderstation des Klinikums Dahme-Spreewald. Thomas Meyer von HYSYST testet auf der anderen Seite die Keimbelastung. Foto: is

Heike Müller reinigt die Tür zum Badezimmer in einem Patientenraum auf der Kinderstation des Klinikums Dahme-Spreewald. Thomas Meyer von HYSYST testet auf der anderen Seite die Keimbelastung. Foto: is

Bestimmte Reihenfolge

Das System beruht auf wenigen Grundsätzen. Der erste ist, dass alle Hand- und Hautkontaktstellen mit einem Mini-Aufkleber, so groß wie ein Zehn-Cent-Stück, markiert sind. Es trägt ein blaues Kreuz in einem grünen Kreis. Der zweite ist, dass in einer ganz bestimmten Reihenfolge geputzt wird. Verschiedenfarbige Tücher sind dabei den einzelnen Bereichen zugeordnet. Rot beispielsweise ausschließlich für das WC, eine andere Farbe für das Umfeld im Bad, blau für die Kontaktflächen. Die Reinigungstücher sind in vorgetränkten Desinfektionslösungen; jeder Handgriff erfolgt in einer bestimmten Reihenfolge. Auf dem großen Reinigungswagen, den Heike Müller durch die Zimmer und Flure schiebt, sind diese Handgriffe genau dokumentiert – und zwar in Bildern visualisiert.

Routiniert und effektiv legt Heike Müller das jeweilige Tuch in ihre Hand und wischt los. Thomas Meyer macht derweil die Probe aufs Exempel. Mit einem Wattestäbchen nimmt er eine Probe von einer noch ungeputzten Türklinke. Er steckt das Stäbchen in einen Stift, schüttelt, wartet kurz. Es entsteht eine chemische Verbindung, die Meyer gern mit dem Stoff vergleicht, der das Glühwürmchen zum Leuchten bringt. Je mehr von der chemischen Verbindung entsteht, desto stärker leuchtet es.

Dann wird das Röhrchen in ein Gerät gesteckt. Es testet, ein dunkler Balken füllt sich langsam. 2128 steht am Ende auf dem Display – ein Wert, der in etwa die Belastung der Fläche durch Keime wiedergibt. Alles über 2000 ist sehr hoch und entspricht in etwa der Keimbelastung einer Hand- und Hautkontaktfläche nach 24 Stunden – dem Rhythmus, in dem normalerweise die Reinigungsleute unterwegs sind.

Keine Ecke unberührt

Doch dann greift Heike Müller zum blauen Tuch. Es wird gefaltet, nicht geknüllt, die Tür wird mit dem Fuß festgestellt, sie umschließt mit ihrer Hand den Griff. Die Klinke wird auf ganz bestimmte Weise gereinigt – so, dass keine Ecke unberührt bleibt. HYSYST hat die Mitarbeiter der KDSR, der Service-Tochtergesellschaft des Klinikums, in diesen detaillierten Abläufen geschult. Thomas Meyer guckt kritisch, wie Heike Müller die Handgriffe ausführt, hebt den ein oder anderen besonders wichtigen nochmals hervor. Dann kommt der zweite Glühwürmchen-Test, diesmal an der sauberen Klinke. 42 ist die Zahl, die der Mini-Computer diesmal ausspuckt. „Im Lauf des Tages schmutzt so ein Griff eben ein“, kommentiert Meyer. „Wir wollen aber sicher stellen, dass die Haut- und Handkontaktstellen einmal am Tag wirksam desinfiziert werden.“

zum Thema:

Rund 140 Mitarbeiter zählt die KDSR-Tochtergesellschaft des Klinikums Dahme-Spreewald. Alle Belange rund Reinigung, Transport und Patientenbegleitung werden abgedeckt. Unter Objektleiterin Elke Haack arbeiten rund 25 Mitarbeiter in der Reinigung. Einmal jährlich und unangekündigt überprüft HYSYST, ob diese genau nach den Schritten des Systems arbeiten. Elke Haack nennt es sogar effektiver, weil durch die vorgeschriebene Reihenfolge kaum ein Schritt zu viel gemacht wird.
2017-10-17T15:51:16+00:00 31. März 2015|

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