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Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 13. September 2021 | Lesezeit: 3 Min.

Hygiene und Prävention im Wettlauf gegen Ignoranz

zeigt verschiedene Viren
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Für den römischen Geschichtsschreiber Marcus Terentius Varro stand schon im ersten vorchristlichen Jahrhundert fest, dass „kleine Tiere, die für das Auge nicht sichtbar sind“, für Krankheiten verantwortlich sind. Zur Vermeidung und Bekämpfung von Infektionen und Epidemien setzten die Römer dieses Wissen zwar nicht ein, aber hatten mit ihren Wasser- und Abwassersystemen, ihren Latrinen und Badehäusern erste präventive Maßnahmen für eine bessere Hygiene getroffen.

Ansonsten hatten Infektionen wegen mangelnder Hygiene ein leichtes Spiel: Pandemische Ausbrüche von Infektionskrankheiten traten während der Menschheitsgeschichte immer wieder auf. Die Beulenpest, der „Schwarze Tod“, löschte zwischen 1347 und 1351 ein Drittel der Bevölkerung Europas aus. Die Ursache ist mikroskopisch klein: das Bakterium Yersinia pestis. Und wie das Virus SARS Cov-2 wurde das Bakterium ursprünglich von Tieren auf Menschen übertragen, klassischerweise über den Biss eines infizierten Flohs. Der Rest erfolgte dann per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch.

Die Pioniere

Dass Ärzte und Hebammen ohne Händedesinfektion Leichen sezierten und an ihnen ihr Handwerk lernten, war die Ursache dafür, dass die Sterblichkeit der Wöchnerinnen in Krankenhäusern an Kindbettfieber zunahm. Der Chirurg und Geburtshelfer Ignaz Philipp Semmelweis erkannte als Vorreiter der evidenzbasierten Medizin aufgrund empirischer Beobachtungen den Zusammenhang und identifzierte „zersetzte organische Stoffe“ als Krankheitsursache.

Ignaz Semmelweis

Ignaz Philipp Semmelweis (1818-1865)
Ungarisch-österreichischer Arzt
Quelle: de.wikiquote.org/wiki/Ignaz_Semmelweis

1847 führte er die erste wirkungsvolle Händedesinfektion durch: eine Waschung mit einer Chlorlösung, später mit preiswerterem Chlorkalk. Er schrieb „Offene Briefe“ an seine Kollegen in der Geburtshilfe. Seine Hygienevorschriften wurden jedoch von einem Großteil der Mediziner als „spekulativer Unfug“ abgelehnt. Heute gilt Semmelweis als „Retter der Mütter“ – sein Instrument war nicht das Skalpell, sondern Prävention durch Hygiene.

Die Entdeckung von Mikroorganismen

Bereits 1668 konnte der italienische Arzt, Parasitologe und Toxikologe Francesco Redi die seit Aristoteles geltende Annahme von Spontanzeugungen (spontanes Entstehen von Lebewesen z. B. beim Verderb von Lebensmitteln) widerlegen.

1684 bewies der niederländischen Naturforscher Antoni van Leeuwenhoek mithilfe eines Lichtmikroskops das Vorhandensein von Mikroorganismen. Doch erst dem französischen Chemiker und Physiker Louis Pasteur gelang 1878 der Nachweis, dass es Mikroorganismen gibt, die ohne Sauerstoff auskommen.

Dass Mikroorganismen die Ursache für Krankheiten sind, fand der Mediziner, Mikrobiologe und Hygieniker Robert Koch im Jahr 1883 heraus. Doch bis wirksame Mittel zur Bekämpfung der Mikroorganismen gefunden wurden, vergingen weitere Jahrzehnte.

1928 entdeckte der britische Mediziner und Bakteriologe Alexander Fleming das Antibiotikum Penicillin und warnte von Anfang an vor Resistenzen. Doch erst seit den 1980er-Jahren werden Antibiotikaresistenzen ernstgenommen. Ohne wirkungsvolle Gegenmaßnahmen und verstärkt durch die Massentierhaltung steigen die Fallzahlen seitdem stetig an.

Fazit
Bis sich Erkenntnisse der Mikrobiologie und Hygiene durchsetzen, vergehen oft Jahrhunderte. Noch immer werden Keime in Krankenhäusern oder in Senioren- und Pflegeheimen durch mangelnde Händehygiene und Hygienelücken in der Reinigung und Desinfektion verbreitet. Zweifellos hat sich seit Semmelweis viel getan, aber die Krankenhausreinigung ist nicht überall auf dem neuesten Stand der Risikominimierung – ganz anders als die Automobilindustrie. Sie hat es mit Präventionsmaßnahmen geschafft, die Zahl der Verkehrstoten, die 1979 bei 21.322 lag, im Jahr 2020 auf 2.724 zu reduzieren.

Ab 2022 schreibt die EU weitere präventive Sicherheitssysteme für Neuwagen mit dem Hinweis verpflichtend vor: „Wenn auch nur ein Verkehrstoter dadurch weniger zu beklagen ist, dann ist die Vorschrift ein Erfolg!“ Einen solchen Satz würde man gerne in einer Hygienerichtlinie gegen die Verbreitung von Krankenhauskeimen lesen und rechtlich umgesetzt wissen. Stattdessen liegt die Zahl der Todesfälle infolge von nosokomialen Infektionen nach Angaben des Robert Koch-Instituts weiterhin bei 10.000 bis 20.000 pro Jahr.

S.T.