Nicht erst seit Ausbruch des neuartigen Corona-Virus.

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Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 27. Januar 2021 | Lesezeit: 2 Min.

Der Corona-Effekt: Infekte insgesamt rückläufig

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Es ist die wohl weltweit teuerste Lektion in puncto Hygiene, die die Menschheit mit der AHA-Regel gelernt hat. Lesson learned: Präventive Hygienemaßnahmen helfen, die Verbreitung des SARS CoV-2-Virus und das Infektionsgeschehen insgesamt einzudämmen.

Die Ersatzkasse DAK-Gesundheit teilte aktuell auf Basis der Zahlen vom Robert Koch-Institut mit, dass die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus im vergangenen Jahr zu einem deutlichen Rückgang bei den meldepflichtigen Infektionserkrankungen geführt haben. Ein „Nebeneffekt“ der Corona-Maßnahmen, der aufhorchen lässt. Bundesweit sank die Zahl der meldepflichtigen Erkrankungen um 29,7 Prozent. Für Nordrhein-Westfalen wurden sogar 32,5 Prozent weniger Nachweise gemeldet. Die Zahl der Infektionen mit dem Norovirus ging um 64,2 Prozent zurück, Kinderkrankheiten wie Windpocken reduzierten sich um mehr als die Hälfte. Das Rotavirus, das bei Kleinkindern zu Magen-Darm-Erkrankungen führt, ging sogar um mehr als 70 Prozent zurück.

There is glory in prevention

Die Bedeutung von präventiven Hygienemaßnahmen zum Schutz der Gesundheit ist in der Politik und bei den meisten Menschen angekommen. Bereits im Juni letzten Jahres machte der Virologe Professor Christian Drosten in seinem NDR-Podcast deutlich: There is glory in prevention und behielt Recht.

Der Griff zur Maske ist mittlerweile so selbstverständlich wie der nach dem Hausschlüssel.

Und nachgebessert wird auch, wenn sich der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse verändert. Deshalb sind jetzt nach Bayern auch in Nordrhein-Westfalen FFP2- oder OP-Masken im ÖPNV, im Einzelhandel, in Gottesdiensten und in Arztpraxen vorgeschrieben. Die dichteren Vliesmasken schützen nachweislich besser vor Aerosolen als herkömmliche Stoffmasken.

Auch die Handhygiene hat durch die AHA-Regel eine bessere Lobby bekommen. Worauf Krankenhäuser immer wieder mit „ Aktion Saubere Hände“ aufmerksam machen, ist durch die Corona-Pandemie auch in den bundesdeutschen Haushalten angekommen: Eine richtig durchgeführte Handhygiene – für den Hausgebrauch reicht Seife völlig aus – unterbricht wirkungsvoll Infektionsketten, weil Hände bei Schmier- und Tröpfcheninfektionen ideale Überträger von Viren und Bakterien sind. Erreger werden beim Händeschütteln übertragen, gelangen aber auch auf Flächen, Klinken und Schalter, Fahrstuhlknöpfe etc.

Hier kommt dann vor allem in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Schulen und KITAs die Flächenhygiene, sowie die Durchführung der hygienischen Aufbereitung von Hand- und Hautkontaktstellen gemäß den Vorgaben des RKI ins Spiel. Bei der täglichen Umsetzung auf den Stationen und in den OPs der Krankenhäuser gibt es vor allem in Kliniken noch deutliches Verbesserungspotential.

Infektionsgeschehen im Krankenhaus

Wie sieht es in den Krankenhäusern aus? Da herrscht in vielen Kliniken in Deutschland derzeit der Ausnahmezustand. Der Blick in die Intensivstationen und der Mangel an Intensivpflegepersonal rückt die immer schon viel zu hohe Anzahl der nosokomialen Infektionen in den Hintergrund. Dabei sind die Zahlen nach wie vor alarmierend. Die geschätzten nosokomialen Infektionen in Deutschland liegen bei 400.000 bis 600.000 pro Jahr. Die Zahl der Todesfälle beziffert die jüngste Studie des Robert Koch-Instituts mit 10.000 bis 20.000. Erstmals wurde für Deutschland auch die Krankheitslast in sogenannten Disability-Adjusted Life-Years (DALY) berechnet. DALY sind die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre. Damit lässt sich der Schaden für die Gesundheit der Bevölkerung (Public Health) besser abbilden und mit anderen Krankheiten vergleichen. Die durch Krankheit und Tod verlorenen Lebensjahre durch nosokomiale Infektionen liegen in Deutschland bei knapp 250.000 pro Jahr (309 pro 100.000 Einwohner).

Immerhin: Wer es nachweislich an der Hygiene mangeln lässt, dem wird auch schon einmal die Klinik oder die Abteilung dichtgemacht. Dann ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen. Auch hier bringt mehr Prävention mehr „glory“.

S.T.