Nicht erst seit Ausbruch des neuartigen Corona-Virus.

Der Keimfrei-Blog

Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 10. März 2022 | Lesezeit: 3 Min.

Alles, außer mit Menschen

Fragen zu diesem Beitrag?

Roboter sollen die Hygiene-Defizite in den Krankenhäusern jetzt beheben. Hygiene in Krankenhäusern und Pflegeheimen ist wichtig. Das wissen seit der Corona-Pandemie nun wirklich alle. Das war sie eigentlich schon immer, wenngleich nicht immer erfolgreich.

Seit Jahrzehnten sterben im Schnitt jeden Tag 41 Menschen in Deutschland an Krankenhauskeimen. Laut aktuellem Barmer-Krankenhausreport kam es während der Corona-Pandemie sogar zu einem Anstieg der nosokomialen Infektionen. Allein in Deutschland sind 1.300 Menschen mehr als im statistischen Durchschnitt an den Folgen einer nosokomialen Infektion gestorben.

Bundesweit hat es rund 34.000 zusätzliche nosokomiale Infektionen gegeben. Aber jetzt kommt Druck von außen. Seit September 2021 gilt die Krankenhaus DIN 13063 „Krankenhausreinigung – Anforderungen an die Reinigung und desinfizierende Reinigung in Krankenhäusern und anderen medizinischen Einrichtungen“.

Theoretisch fällt das in den Kliniken sogar auf fruchtbaren Boden. Im WISAG Hygieneradar, der wie die DIN im September erschienen ist, gehen 49,3 Prozent der befragten Mitarbeiter klinischer Einrichtungen davon aus, dass Hygienestandards nachhaltig erhöht werden müssen.

80,6 Prozent sind bereit, in Hygienemaßnahmen zu investieren und 80,6 Prozent sind dafür, dass die Einhaltung von Hygienevorschriften strenger überprüft wird.

Doch anstatt mehr Reinigungsfachkräfte mit einer Ausbildungsoffensive für das Gebäudereinigerhandwerk zu gewinnen und die vorhandenen Reinigungsfachkräfte besser zu schulen und besser zu bezahlen, fließen derzeit Gelder in das Forschungsprojekt „RoReBO“, in einen kompakten Bodenreinigungsroboter für Krankenhäuser und Pflegeheime.

Entwickelt wird „RoReBO“ vom Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung. Die Gelder kommen vom Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg im Rahmen des Förderprogramms Invest BW Innovation. Mit Hilfe der Roboter will man verhindern, dass die „Hygiene Compliance“ leidet, so die Aussage des Fraunhofer-Instituts.

Digitale Helferlein

Roboter sollen die Reinigungsfachkräfte bei ihrer Arbeit unterstützen und entlasten. Auch Kanten und Ecken sollen sie, wenn alles gut läuft, gründlich reinigen können. Außerdem werden sie für die besonderen Anforderungen im Krankenhaus und dort im Speziellen für Flure, Patienten- und Behandlungszimmer als Einsatzumgebung programmiert. Sogar Türen sollen die Roboterarme am Ende öffnen können.

Wäre es da nicht angebrachter, Personen einzusetzen, die schon jahrelang Erfahrung besitzen, Türen aller Art zu öffnen und zu schließen? Und wie lange wird es wohl dauern, bis die Wissenschaftler einem Roboter die richtige Tuchfalttechnik und den nötigen Druck bei der desinfizierenden Oberflächenreinigung von Haut- und Händekontaktflächen beigebracht haben?

Nicht ohne Grund liest man im aktuellen Branchenreport „Das Gebäudereiniger-Handwerk“ vom Januar 2022:

„Die Digitalisierung wird die Menschen in der Gebäudereinigung zunehmend begleiten und unterstützen, dennoch bleibt die Branche auf absehbare Zeit ein ‚people’s business‘.“

Doch ausgerechnet diese „people“, ohne die unsere Infrastruktur in kurzer Zeit zusammenbräche, haben keine Lobby. Dabei arbeiteten fast 11 Prozent aller sozialversicherungspflichtigen Handwerksbeschäftigten im Jahr 2019 im Gebäudereiniger-Handwerk, eine Branche, die einen jährlichen Umsatz von 19,34 Milliarden Euro generiert. Doch wo kommt das Geld an?

Mitnichten bei den Reinigungsfachkräften. Denn bei der Vergabe der Gebäudereinigung an private Dienstleister gilt in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen – anders als z. B. in Frankreich – noch immer das „Geiz ist geil-Prinzip“.

Effizienter und zweckdienlicher für Patienten, Hygiene und Fachkräfte wäre es, die notwendigen Reinigungsumfänge zu erhöhen und Werkverträge mit schlechten Dienstleistern zu kündigen.

Warum das nicht oder zu selten geschieht? Haben wir uns an 1.634 täglich im Krankenhaus Infizierte und 41 Tote pro Tag als Folge einer nosokomialen Infektion etwa schon gewöhnt?

S.T.