Nicht erst seit Ausbruch des neuartigen Corona-Virus.

Der Keimfrei-Blog

Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 16. Juni 2020 | Lesezeit: 1 Minute

Das Aus für „Turboputzen“ in bundesdeutschen Schulen

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Mal eben mit dem Mopp durch den Klassenraum und den Flur, zu mehr reicht die Zeit der Reinigungsfachkräfte oft nicht. Schultoiletten ohne abschließbare Türen, Toilettenpapier, Seife und Papierhandtücher. Von Flächen- und Händehygiene waren viele Lernanstalten vor Corona Lichtjahre entfernt. Nun wendet sich das Blatt.

Eigentlich ein Schildbürgerstreich. Da tragen wir auf einmal in Säcken die Sauberkeit und Hygiene in die Schule, wo sie doch schon längst hätte sein sollen. Seit 2005 gibt es die DIN 77400 „Reinigungsdienstleistungen – Schulgebäude – Anforderungen an die Reinigung“, eine Vereinbarung von Mindeststandards. 2015 wurde die Norm überarbeitet, um eine umweltbewusste und hygienische Reinigung festzuschreiben. Damit sollten einerseits die Arbeitssicherheit und der Gesundheitsschutz für die Beschäftigten gewährleistet sein. Andererseits definiert die Norm den Umfang und die Häufigkeit der Reinigungsdienstleistungen bis hin zur Überwachung der Reinigungsqualität mit praxisbezogener Checkliste.

Soweit die Theorie. In der Praxis sparten Kommunen und Gemeinden an der Reinigung von Schulen und Kitas, bekamen bei öffentlichen Ausschreibungen die Billigmeier den Zuschlag. Für die Reinigungsfachkräfte bedeuteten die Dumpingpreise Klassenräume mit einer Gesamtfläche von 300 Quadratmetern in einer Stunde zu reinigen. Für ein 55,5 Quadratmeter großes Klassenzimmer blieb ein Zeitfenster von 8,33 Minuten. Ein sauberes Lernumfeld sieht anders aus. Stattdessen bildeten sich Elterninitiativen, um die Sanitäranlagen am Laufen zu halten, kauften Lehrkräfte Flüssigseife ein.

Nun ist Hygiene in der Schule auf einmal lebenswichtig geworden. Die Schüler könnten sich unbemerkt anstecken und das Virus ins Elternhaus und in die Risikogruppen der Gesellschaft tragen. Sauberkeit, Hygiene, Lüften der Klassenzimmer, Mundnasenschutz (MNS) und Wegeführungs- und Abstandsmarkierungen sind mit einem Mal systemrelevant.

Hygiene-Schulgebäude-DIN zum kostenlosen Download

Seit Mai gibt es die DIN Norm wegen der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 kostenlos als Download. Nicht, weil sie auf die Pandemie ausgelegt ist, sondern weil sie unter anderem Hinweise zu Flächenhygienemaßnahmen in Schulen gibt. Da das Bundesamt für Risikobewertung bei Corona-Viren eine Schmierinfektion über Oberflächen nicht ausschließt, geraten Türklinken, Schalter, Fenstergriffe, Armaturen, Tische und Stühle in den Fokus der täglichen Reinigungsleistung. Denn Tröpfcheninfektionen können durch kontaminierte Objekte weitergegeben werden, wenn die Zeiträume zwischen dem Kontakt mit einer kontaminierten Fläche und den Schleimhäuten sehr kurz sind.

Während in den bundesdeutschen Haushalten im Schnitt ein Arsenal von 30 verschiedenen zum Teil aggressiven Reinigungschemikalien eingesetzt wird, die oft mit einer viel zu hohen Dosierung angewendet werden, mussten Schulen für Handhygiene-Gebinde Anträge stellen, wurden Waschbecken aus Klassenzimmern entfernt, weil keine Tafelschwämme mehr ausgewaschen werden müssen.

Der Umgang mit dem behüllten Coronavirus wird weltweit eine der teuersten Hygiene-Lektionen sein. Eine Aufnahme der Errungenschaften hinsichtlich Hygiene und Reinigung in die Curricula würde sowohl das historische Bewusstsein für die Seuchengefahren schärfen als auch das Zusammenleben und Zusammenlernen von Menschen auf enger werdenden Flächen in Zukunft erleichtern. So wird das Coronavirus zu einer Schule des Lebens für alle.

S.T.