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Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 11. Februar 2022 | Lesezeit: 2 Min.

Nicht nur sauber, sondern rein?

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Nicht nur sauber, sondern rein?

Die Werbeikone Klementine bzw. die Werbefachleute des Waschmittelherstellers wussten sehr genau, wo man die Fernsehzuschauer in den 1970er und 1980er Jahren am besten abholte. Strahlend weiße Wäsche wünschte sich damals jede Hausfrau, vor allem, wenn sie im Einzugsgebiet eines Kohlereviers wohnte.

Ins Leben gerufen hatte den Weltputzfrauentag die Krimiautorin Gesine Schulz. Es war der Geburtstag ihrer Romanfigur Karo Rutkowsky, ihres Zeichens Privatdetektivin mit schwacher Auftragslage und Putzfrau ohne Steuerkarte.

Und Klementine kam gut rüber mit ihrer weißen Latzhose und der Schirmmütze. Das Werbekonzept war so stimmig, dass Klementine sogar eine Zeitlang Teil der Ausstellung im Haus der Geschichte in Bonn war. Heute kann man die Werbung mit ihr in der Dauerausstellung im Deutschen Werbemuseum in Frankfurt am Main bestaunen.

„Dahinter steckt werbetechnisch gesehen ein gut durchdachtes Konzept“

bestätigt Thomas Meyer, Geschäftsführer des Krankenhausberatungsunternehmens HYSYST (www.hysyst.com).

Meyer macht die Augen immer weit auf, wenn es darum geht, Hygienestandards in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Lücken und Defizite beim Infektionsschutz zu erkennen, das ist sein Job und er wundert sich, dass Unternehmen und sogar Verbände es nicht so genau nehmen, wenn es z. B. um Hygiene im Krankenhaus und im OP geht.

„Da wird mit Fotos geworben, auf denen ein Mund-Nasen-Schutz nicht korrekt getragen wird oder eine Dame mit schwarz lackierten Fingernägeln mit einem Desinfektionstuch Oberflächendesinfektion betreibt. Beides spottet der Hygiene und dem Arbeitsschutz.“

Aber schlimmer geht immer. So postet eine Führungskraft eines Herstellers von professionellen Waschmitteln in einem bekannten Businessnetzwerk ein Bild einer Waschküche. Die Waschmaschinen sehen noch gut aus, doch das Umfeld mit den gelben Bahnhofstoilettenkacheln, einer vergammelten Holzkiste, stark verschmutzten Kunststoffwannen und einem völlig abgenutzten Kachelboden ist weit entfernt von dem, was man landläufig unter Sauberkeit und Hygiene versteht.

Auf der linken Waschmaschine liegen gefaltete und farblich sortierte Microfasertücher, wie sie üblicherweise für die Oberflächenreinigung in Krankenhäusern eingesetzt werden. „Wenn ein Patient dieses Foto sähe, würde er dieses Krankenhaus vermutlich lieber heute als morgen verlassen“, vermutet Meyer.

Welttag der Kranken

Am 11. Februar ist der Welttag der Kranken. Manche von ihnen werden erst im Krankenhaus ernsthaft krank. Dem Krankenhausreport zufolge ziehen sich jedes Jahr bis zu 600.000 Patienten in deutschen Krankenhäusern eine nosokomiale Infektion zu. Bis zu 15.000 Patienten versterben daran. Übertragen werden diese Keime von Mensch zu Mensch über Türklinken und Oberflächen, aber auch über Fußböden, wie ein Forschungsteam aus Jena und Berlin in einem Klinikneubau herausgefunden hat.

Hygiene ist mehr als ein Werbeversprechen der Industrie. Sie hilft, das SARS-Cov2-Virus einzudämmen, verhindert die Verbreitung von krankmachenden Bakterien und Viren und schützt vor nosokomialen Infektionen. Mit guten Werbekampagnen für gezielte Hygienemaßnahmen hätte man womöglich die Chance auf einen Platz im Werbemuseum, in jedem Fall könnte man die Menschen dazu bewegen, zum Nutzen aller die Hygienemaßnahmen richtig umzusetzen.

S.T.