Nicht erst seit Ausbruch des neuartigen Corona-Virus.

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Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 07. Juli 2022 | Lesezeit: 3 Min.

Take five: Hände waschen oder desinfizieren?

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Unabhängig von der aktuellen oder der kommenden Corona-Welle: Im nächsten Herbst ist und bleibt die Handhygiene eine sehr wichtige Maßnahme, um Infektionsketten wirkungsvoll zu unterbrechen.

Wachte noch vor wenigen Wochen das Personal im Einzelhandel und in öffentlichen Gebäuden mit Argusaugen darüber, dass die Kunden oder Bürger sich gleich beim Eintreten die Hände desinfizierten, hat sich mittlerweile eine gewisse Lässigkeit breitgemacht. Hier und da wurden in der Gastronomie die Hygienestationen auch schon abgebaut.

Sollen wir nun aufhören, uns die Hände bei jeder Gelegenheit, nach jeder Berührung von Türklinken, Treppengeländern, Lichtschaltern oder Haltegriffen zu desinfizieren und uns nur die Hände mit Wasser und Seife waschen? Das scheitert schon daran, dass sanitäre Einrichtungen meist nicht flächendeckend vorhanden sind. Und es gibt noch weitere Nachteile: Seife laugt die Haut aus, weil sie die schützenden Fette aus der Hornschicht der Haut herauswäscht. Außerdem begünstigt ständiges Händewaschen nach Einschätzung des Berufsverbands Deutscher Dermatologen (BDD) die Entstehung von Handekzemen. Um dem entgegenzuwirken, müssten Handpflegemittel den Säureschutzmantel wieder stabilisieren. Das gesamte Procedere würde mutmaßlich die Hälfte eines Einkaufsbummels beanspruchen.

Eine Erfindung aus Zeitnot

Der Faktor Zeit war es auch, der den Schweizer Infektiologen Didier Pittet im Jahr 1994 auf die Idee brachte, etwas Schnelleres als Händewaschen für die Handhygiene des medizinischen Personals zu erfinden. Würden sich Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern nämlich wie empfohlen nach dem einen und vor dem nächsten Patienten die Hände ein bis zwei Minuten lang waschen, würde die Hälfte der Arbeitsstunden mit Händewaschen verbracht. Pittet kam auf die Idee, nach der Formel eines Apothekers ein Handhygiene-Gel auf Alkoholbasis herzustellen und verteilte dieses an das Personal. Das verblüffende Ergebnis: Die Zahl der Infektionen ging um 50 Prozent zurück. Die schnelle Handdesinfektion auf Alkoholbasis ist mittlerweile weltweit Standard in Krankenhäusern in mehr als 180 Ländern. Nach Schätzungen der WHO soll Pittets Erfindung jedes Jahr bis zu acht Millionen Menschenleben retten. Deshalb sollten Krankenhäuser unbedingt darauf achten, dass die Besucher mit Hinweisschildern oder roten Klebestreifen mit dem Hinweis Händedesinfektion beim Betreten daran erinnert werden, die Hände zu desinfizieren. Oft sind die Spender jedoch zu hoch angebracht, vor allem, wenn sie mit dem Ellbogen zu bedienen sind.

Schadet Händedesinfektion der Haut?

Im Prinzip nicht. Der Alkohol hat die Eigenschaft zu verdunsten und löst nur die oberflächlichen Fette auf der Haut. Es bleibt also genügend Fett auf der Haut zurück. Hochwertige Handdesinfektionsmittel haben rückfettende Inhaltsstoffe wie Lanolin oder Schafswollfett, die die Haut schützen und pflegen.

Handhygiene in Deutschland

Auf welchem Stand ist Deutschland aktuell bei der Handhygiene? Das wollte statista wissen und ließ das Marktforschungsinstitut YouGov im Januar dieses Jahres eine Studie zum Thema Corona & Hygiene in Deutschland durchführen. 72 Prozent der Befragten gaben an, sich seit Corona häufiger die Hände zu waschen und 70 Prozent tun dies auch gründlicher als zuvor. Insgesamt haben 51 Prozent der Probanden ihr Hygieneverhalten in der Coronapandemie verändert. Infektionsketten wirkungsvoll zu durchbrechen, ist laut Studie zwar machbar, aber das Verhalten der Menschen lässt definitiv noch (zu) viele Schlupflöcher für Viren & Co offen.

S.T.