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Profi-Tippszu Hygiene & Reinigung

Lippstadt, 18. März 2021 | Lesezeit: 2 Min.

Aerosole aus Sprühdesinfektionsmittelspendern schädigen Atemwege

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Das Gegenteil von gut ist gut gemeint. Als im März 2020 Desinfektionsmittel nicht mehr zu erwerben waren, erteilten die WHO und die Bundesanstalt für Arbeitsmedizin und Arbeitsschutz (BAuA) den Apotheken und der pharmazeutischen und chemischen Industrie die Ausnahmegenehmigung, 2-Propanolhaltige Biozidprodukte herzustellen. Obwohl der Engpass längst passé war, ging diese Genehmigung im September 2020 in die Verlängerung. Das Resultat: Der Markt ist voll von nicht vom Verbund für angewandte Hygiene (VAH) zugelassenen Desinfektionsmitteln. Bei unsachgemäßem Gebrauch schädigen sie die Gesundheit. Zudem sind sie unnötig im Kampf gegen das SARS CoV-2-Virus.

Die AHA-Regeln hat im zweiten Coronajahr wohl jeder Bundesbürger verinnerlicht. Auch wenn das zweite „A“ für Alltagsmaske ersetzt wurde durch „im Alltag (FFP2)Maske tragen“, gelten Abstand und Hygiene immer noch als wichtige Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie. Aus der Handhygiene, die im Alltag das gründliche Waschen der Hände mit Seife meinte, wurde mit der Zeit eine flächendeckende und geradezu zwanghafte Händedesinfektionswelle. Man desinfiziert sich die Hände beim Einkauf, beim Arzt, im Light-Lockdown beim Frisör, in Restaurants und Fitnessstudios, im Büro und in allen öffentlichen Gebäuden.

Auch in den Haushalten kommen immer mehr Desinfektionsmittel für die Hände und für Hautkontaktstellen wie Klinken, Schalter und Tische zum Einsatz. Dieser Feldzug ist mit Kanonen auf Spatzen schießen. Denn um den Lipidmantel des SARS CoV-2-Virus zu zerstören, muss es nur mit Tensiden in Kontakt kommen, die die Fetthülle des Virus aufbrechen. Tenside sind in jeder Seife, in jedem Spülmittel, in jedem Reinigungsmittel und Neutralreiniger enthalten.

Desinfektionsmittel gehören in Krankenhäuser

Desinfektionsmittel gehören ausschließlich an Orte, an denen es gilt, Viren, Bakterien und Sporen wie z. B. Noroviren, Clostridien Sporen, Escherichia coli oder MRSA-Keime abzutöten. Das sind in der Regel Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime. Allerdings versprühen die Reinigungsfachkräfte bei der im Krankenhaus so wichtigen Flächenhygiene kein Desinfektionsmittel, weil nach den Vorgaben des Arbeitsschutzes das Ausbringen von Aerosolen grundsätzlich vermieden werden sollte. An die Kellner und Kellnerinnen, die Frisöre und Fitnessstudiobetreiber hat man hinsichtlich des Arbeitsschutzes im letzten Sommer in der Aufregung wohl nicht gedacht, wenn sie nach jedem Gast oder Kunden mit der Sprühflasche die Tische, den Friseurstuhl oder die Fitnessgeräte mit einem Sprühnebel reinigten.

Hinzu kommt, dass weder die Mitarbeiter noch die Kunden, die sich die Hände desinfizieren sollen, wissen, ob sie dies mit einem gelisteten Desinfektionsmittel mit pflegenden Substanzen und einer VAH-Listung tun oder mit einem WHO-Hilfsmittel, das von einem 5-Liter-Kanister aus dem Baumarkt in eine etikettierte Flasche eines seriösen Herstellers umgefüllt wurde. Selbst in Krankenhäusern wurden diese behelfsmäßigen WHO-Desinfektionsmittel im letzten Jahr angeschafft und mancher Klinikchef wäre sie gerne wieder los.

Tipp: Vermeiden Sie den Gebrauch von Desinfektionsmittelspendern mit Sprühfunktion und waschen Sie, wo immer es möglich ist, Ihre Hände mit Seife oder einem anderen tensidhaltigen Reinigungsmittel und achten Sie bei der Händedesinfektion auf bewährte Präparate der schon vor Corona bekannten Hersteller. Ihre Haut und Ihre Schleimhäute werden es Ihnen danken.

S.T.